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Warum scheitern so viele neue Gewohnheiten?

Fünf häufige Gründe, warum neue Gewohnheiten scheitern und was dabei helfen kann, sie langfristig beizubehalten.

Warum scheitern so viele neue Gewohnheiten?

Warum scheitern so viele neue Gewohnheiten?

Viele Menschen sind vor allem zum Jahresende äußerst motiviert, im darauffolgenden Jahr schließlich ihre Gewohnheiten zu ändern. Es werden neue Jahresziele definiert und die Motivation befindet sich auf einem Höhepunkt.

Diese Motivation hält häufig auch über Neujahr hinaus an – manchmal sogar mehrere Wochen. Irgendwann ist das Jahr jedoch so weit fortgeschritten, dass man die eigenen Neujahrsziele und geplanten Veränderungen im Rückspiegel betrachtet und teilweise gar nicht mehr weiß, wann man sich von den neuen positiven Gewohnheiten wieder entfernt hat.

Doch warum passiert das?

Hier sind fünf häufige Gründe, warum neue Gewohnheiten scheitern können.

1. Abhängigkeit von Motivation

Motivation kann ein Initiator sein, der sich positiv auf Veränderungen auswirkt. Dennoch sollte bei der Veränderung von Gewohnheiten keine Abhängigkeit von Motivation entstehen.

Genau hier liegt ein häufiges Problem: Man geht davon aus, dass Motivation für die Ausübung einer Gewohnheit essenziell ist. Dieser Denkfehler führt insbesondere an schwierigen Tagen dazu, dass eine Gewohnheit unterbrochen wird.

💡 Learning

Es ist unrealistisch, über einen längeren Zeitraum oder sogar ein ganzes Jahr hinweg ausschließlich perfekte Tage zu erwarten. Gerade an Tagen, an denen es nicht so gut läuft, sollten Gewohnheiten weiterhin ausgeübt werden. Dadurch verankert sich die Gewohnheit zunehmend in den Alltag und Motivation verliert an Priorität.

2. Gewohnheiten sind nicht messbar

Häufig werden Gewohnheiten ohne messbare Indikatoren definiert. Exemplarisch kann dazu die Gewohnheit „Tägliche Liegestütze“ betrachtet werden. Es sollen täglich Liegestütze ausgeführt werden, jedoch wird die Anzahl an Wiederholungen nicht definiert. Dieses Problem betrifft vor allem quantifizierbare Gewohnheiten und keine binären Gewohnheiten.

Beispiele für quantifizierbare Gewohnheiten:

  • Anstatt „Täglich lesen“ könnte beispielsweise „10 Minuten lesen“ definiert werden.
  • Anstatt „Tägliche Liegestütze“ könnte beispielsweise „10 Liegestütze“ definiert werden.

Beispiele für binäre Gewohnheiten:

  • Nicht rauchen – die Menge spielt hierbei keine Rolle, weil als Ziel bereits 0 definiert wurde.
  • Keinen Alkohol trinken
  • Fitnessstudio besuchen – im Fokus steht lediglich der Gang ins Fitnessstudio und nicht die Ausführung bestimmter Übungen. Auf Wochenebene könnte daraus allerdings wiederum ein quantifizierbares Ziel werden, beispielsweise drei Besuche pro Woche.

💡 Learning

Quantifizierbare Gewohnheiten sollten bereits im Titel messbar beschrieben werden. Dadurch ist das Tagesziel eindeutig und objektiv überprüfbar definiert.

3. Gewohnheiten werden unrealistisch definiert

Selbst wenn quantifizierbare Gewohnheiten bereits mit einem messbaren Indikator definiert wurden, entsteht ein weiteres Problem, wenn die Tagesziele zu ambitioniert sind. Solche Ziele lassen sich häufig nur an besonders guten Tagen zuverlässig erreichen.

Gewohnheiten sollten deshalb immer in Bezug auf mein Baseline-Modell angelegt werden. Dabei werden Gewohnheiten so definiert, dass sie auch an schlechten Tagen gut durchführbar sind.

Ich mache an manchen Tagen 60 Liegestütze oder mehr. Dennoch habe ich nach wie vor eine Untergrenze – meine persönliche Baseline – von 10 Liegestützen festgelegt. Dadurch ist die Intensität an manchen Tagen zwar niedriger, ich bleibe aber kontinuierlich an meiner Gewohnheit.

Wenn ich beispielsweise etwas angeschlagen bin oder bereits durch eine andere sportliche Aktivität ausgelastet war, weiß ich, dass 10 Liegestütze für mich trotzdem machbar sind.

💡 Learning

Definiere deine Gewohnheiten mit einer Baseline, die auch an schlechten Tagen einzuhalten ist. An guten Tagen kannst du einfach mehr machen. Kontinuität schlägt auf Dauer Intensität.

4. Der Fortschritt ist nicht sichtbar

Neue Ziele oder Gewohnheiten werden häufig nur in Gedanken formuliert oder gelegentlich in Strukturdiagrammen wie Mindmaps festgehalten. Der tatsächliche Fortschritt wird dabei jedoch oft nicht verfolgt und bleibt unsichtbar.

Dabei ist es wichtig zu verstehen, warum Serien unterbrochen werden und warum Veränderungen von Gewohnheiten plötzlich an Bedeutung verlieren.

Woher soll man wissen, wann eine Gewohnheit begonnen oder wann sie unterbrochen wurde, wenn der Fortschritt nicht sichtbar ist?

Ohne eine sichtbare Entwicklung fehlt außerdem ein klarer Einstiegspunkt, um eine unterbrochene Gewohnheit wieder aufzunehmen. Gleichzeitig kann ihre wahrgenommene Priorität sinken, wenn Fortschritte nicht mehr erkennbar sind.

💡 Learning

Fortschritt sollte sichtbar sein. Dann sind Serienbrüche weniger problematisch, weil man leichter zurück in die eigene Spur findet.

Ich hatte beispielsweise lange Zeit nicht verstanden, warum meine Liegestütz-Serie immer samstags unterbrochen wurde. Mithilfe der Jahresansicht in Ninety Days erkannte ich, dass ich samstags im Fitnessstudio andere Übungen ausführte und die Liegestütze dadurch kurzfristig vergessen hatte.

Dadurch konnte ich das Muster erkennen und wieder in meine Routine zurückfinden. Mittlerweile habe ich erneut eine Serie von über 46 Tagen erreicht.

Jahresansicht der Gewohnheit „10 Push-ups“ in Ninety Days mit einer aktuellen Serie von 46 Tagen.

5. Die Gewohnheit wird nach einem Serienbruch gestoppt

Häufig werden Gewohnheiten nicht mehr weiterverfolgt, nachdem lediglich ein einziger Tag zu einem Serienbruch geführt hat. Der Fokus liegt in diesem Moment ausschließlich auf der Länge der Serie und nicht mehr auf dem persönlichen Fortschritt.

Dabei ist es weiterhin ein beachtlicher Erfolg, eine Gewohnheit beispielsweise an 5 von 7 Tagen ausgeübt zu haben. Wird die Gewohnheit nach einem Serienbruch dagegen vollständig aufgegeben, bewegt sich der langfristige Erfolg tatsächlich in Richtung null.

Serien sind deshalb vor allem Indikatoren. Sie zeigen eine Richtung an, sollten aber nicht darüber entscheiden, ob eine Gewohnheit weitergeführt wird.

Zum Beispiel würde ich niemals auf die Idee kommen, das Zähneputzen zu loggen. Das ist eine Gewohnheit, die für mich zu 100 % selbstverständlich ist. Dennoch gibt es vielleicht 1–2 Tage im Jahr, an denen ich meine Zähne nicht putze. Trotzdem sollten diese 1–2 Tage bitte nicht dazu führen, dass überhaupt keine Zähne mehr geputzt werden.

Warum also sollte man andere neue Gewohnheiten nicht auch mit derselben Disziplin und Ernsthaftigkeit betrachten?

💡 Learning

Es ist völlig okay und bewundernswert, nach dem Motto „Never break the chain“ zu leben und lange Serien aufzubauen. Dennoch sollten einzelne Serienbrüche nicht dazu führen, eine Gewohnheit komplett zu beenden. Entscheidend ist, sie anschließend wieder aufzunehmen. Eine einzelne Unterbrechung verändert nicht den Fortschritt, den man bis dahin bereits erreicht hat.

Andreas Stein